Pressing à la Jürgen Klopp
Ob Mainz, Dortmund oder Liverpool – Jürgen Klopp hat bei all seinen bisherigen Trainerstationen Erfolge gefeiert und einen „Legenden“-Status erlangt. Das mag vermutlich auch an seinem persönlichen Auftreten aber vor allem an den Auftritten seiner Mannschaften liegen. Diese spiegeln gewissermaßen sein Verhalten an der Seitenlinie wider, welches mitreißend und intensiv ist.
Heavy-Metal-Football
Jürgen Klopp
über seinen eigenen Spielstil
Klopps Spielstil zeichnet sich besonders durch das Spiel gegen den Ball aus – da ist zum Einen sein gut organisiertes Pressing beim FC Liverpool und zum Anderen das effektive Gegenpressing, welches sehr stark in Verbindung mit seinem Namen steht.
Die Pressing-Strategien von Jürgen Klopp
In diesem Blogbeitrag möchten wir die charakteristischen Merkmale seines Pressings genauer unter die Lupe nehmen. Dafür analysieren wir 2 Spielszenen mit euch – die Erste zeigt sein Angriffspressing gegen einen Gegner, der mit 2 Aufbauspielern agiert. In der zweiten Szene behandeln wir Liverpools Mittelfeldpressing gegen einen Gegner mit 3 Spielern im Spielaufbau.
Mane zwingt Neuer zu einem Befreiungsschlag
Jürgen Klopp setzte bei Liverpool meistens auf ein 4-3-3. Dabei bilden sehr häufig Mane, Firmino und Salah die erste Linie, die nicht nur für viel Torgefahr sorgen, sondern auch sehr effizient gegen den Ball arbeiten – unter Anderem auch in einem Champions League Spiel gegen den FC Bayern München, wie die folgende Spielszene zeigt.
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Hummels hat den Ball am Fuß und wird von Salah im Bogen angelaufen. Dadurch sorgt der rechte Außenstürmer dafür, dass Alaba im Deckungsschatten bleibt. Firmino verstellt den Passweg auf Martinez. Dafür wendet Firmino immer wieder den Blick vom Ball ab, um die Position des spanischen Sechsers zu überprüfen. Sadio Mane ist bis auf die Höhe des zweiten Innenverteidigers der Bayern eingerückt.
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Hummels wird durch das Anlaufen von Salah zu einem Rückpass zu Neuer gezwungen. Damit löst Mane das Pressing aus, indem er den Torhüter im hohen Tempo anläuft. Dabei läuft Mane in einem Bogen, um Süle in den Deckungsschatten zu stellen.
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Neuer bleibt nur noch der unkontrollierte Befreiungsschlag. Auf der ballfernen Seite wären zwar Süle und Rechtsverteidiger Kimmich frei, diese werden jedoch von Mane in den Deckungsschatten gestellt. Die restlichen Bayern-Spieler in der Nähe des Balles sind alle zugestellt beziehungsweise im Deckungsschatten eines Spielers von Liverpool.
Und nun zur Theorie – wie funktionierte das Angriffspressing im 4-3-3 des FC Liverpool genau? (Gegner im 4-3-3)
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Spieleröffnung des Torhüters
  • Die beiden Außenstürmer stehen bei der Spieleröffnung des Torhüters zwischen den Außen- und Innenverteidigern des Gegners – dadurch haben beide Stürmer auch noch Zugriff auf die „freien“ Außenverteidiger, wenn der Torwart diese mit einem hohen Ball anspielt
  • Der zentrale Angreifer stellt den gegnerischen Sechser in einen Deckungsschatten
  • Die beiden zentralen Mittelfeldspieler schließen die Lücken zwischen den Außenstürmern und dem Mittelstürmer des eigenen Teams
  • Der defensive Mittelfeldspieler agiert als „freier“ Mann
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Querpass in der ersten Aufbaulinie als Presssingauslöser
  • Das Pressing der Liverpooler wird oftmals durch einen Querpass in der ersten Aufbaulinie ausgelöst – sei es ein Pass von Innenverteidiger zu Innenverteidiger oder von Torhüter zu Innenverteidiger
  • Der ballnahe Flügelstürmer läuft den angespielten Innenverteidiger im Bogen an. Dadurch wirft der Angreifer einen Deckungsschatten auf den ballnahen Außenverteidiger des Gegners
  • Der zweite Flügelspieler schiebt zur Ballseite an – hält dabei weiterhin Verbindung zum Innen- und Außenverteidiger auf seiner Seite
  • Der Mittelstürmer schiebt zum Ball und hält den gegnerischen Sechser weiterhin im Deckungsschatten
  • Die ballfernen, zentralen Mittelfeldspieler schieben nicht zu weit ein. Dadurch hat dieser immer noch Zugriff auf den ballfernen Außenverteidiger des Gegners
  • In der Folge entscheidet sich der ballbesitzende Innenverteidiger häufig für einen Rückpass, da die Optionen fehlen – der Außenverteidiger ist im Deckungsschatten und ein Pass in das kompakte Zentrum ist zu riskant
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Rückpass zum Torhüter
  • Der Außenstürmer läuft weiter durch und unternimmt dies ebenfalls in einem Bogen, um auch den Innenverteidiger in einen Deckungsschatten zu stellen
  • Der zentrale Angreifer hält den Sechser weiterhin im Deckungsschatten
  • Der Torhüter kann den Ball nur noch lang spielen oder den zweiten Innenverteidiger einsetzen
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Der Torhüter spielt den Ball zum zweiten Innenverteidiger
  • Der Flügelspieler läuft weiterhin durch und stellt den Torhüter in den Deckungsschatten
  • Der zweite Flügelspieler orientiert sich zum zweiten Innenverteidiger und stellt dabei den Außenverteidiger auf seiner Seite wieder in den Deckungsschatten
  • Der zentrale Angreifer stellt den Sechser immer noch in den Deckungsschatten
  • Wird der ballnahe, zentrale Mittelfeldspieler des Gegners angespielt, kann dieser von dem Mittelstürmer und dem ballnahen Achter gedoppelt werden
  • Der ballferne, zentrale Mittelfeldspieler schiebt zwar etwas ein, hält aber immer noch Verbindung zum ballfernen Außenverteidiger des Gegners
  • Anmerkung: Diese Form des Angriffspressing ist besonders effektiv, wenn der gegnerische Torhüter auf seinen „schwachen“ Fuß gelenkt wird
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Im Mittelfeldpressing gegen Thomas Tuchels 3er-Kette
Die Trainerlaufbahnen von Thomas Tuchel und Jürgen Klopp weißen gewisse Parallelen auf – Beide waren zuerst Trainer in Mainz und dann bei Dortmund. Mittlerweile sind sie bei je einem englischen Top-Klub unter Vertrag und stehen sich regelmäßig gegenüber.
In ihrem letzten Aufeinandertreffen spielten die zwei deutschen Trainer in ihren gewohnten Grundordnungen – Klopp ließ im 4-3-3 und Tuchel im 3-4-2-1 spielen. Beim Spiel gegen den Ball setzte Klopp aber nicht auf ein Abschneiden der gegnerischen Außenverteidiger, sondern ließ den Ball gezielt auf sie lenken.
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